Montag, Mai 07, 2012

Rumänien: „Solange du Kartoffeln hast, hungerst du nicht!“

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6000 Kilo Kartoffeln! Dank der großzügigen Spende einer Familie aus Kemnath in Bayern konnte ora international Österreich in den vergangenen Wochen die Ärmsten der Armen in Rumänien, der Slowakei und in Ostungarn mit Kartoffeln beschenken.

Unser Projektpartner aus Turgu Mures, Rumänien, Geza Ilonka-Sallai, bedankt sich von ganzem Herzen im Namen von zweihundert Romafamilien: „Gott segne euch für diese Gabe! Sie müssen wissen, dass Sie sehr vielen Familien und Kindern geholfen haben!“

Roma sind in Rumänien die Ärmsten. Warum?
Geza gibt selber seine Antwort auf diese Frage und schildert das Leben der Menschen, denen er und seine Helfer Auswege aus dem Kreislauf der Armut zeigen.

1. Viele Roma haben nur fünf bis sieben Schuljahre, viele sind Analphabeten und wer bis zur zehnten Klasse kommt, gilt schon als Gelehrter. Deswegen müssen sie die billigste Arbeit machen, wenn sie eine finden. Die meisten leben als Tagelöhner, von der Sozialhilfe oder machen Handwerksarbeit, wie die Korbmacher.

2. Fast alle Romafamilien haben fünf Kinder, aber es gibt viele, die sieben oder acht Kinder haben. Das wenige Geld, das sie bekommen, ist nicht genug. Die Kinder verlassen daher sehr schnell die Schule um zu „arbeiten“. Sie wollen unabhängig von den Eltern sein, bauen neben dem Elternhaus ein Zimmer aus Lehm und beginnen mit 16 Jahren schon ein eigenes Leben: Sie heiraten und bekommen Kinder...

3. Wegen der Armut trinken viele Roma und kümmern sich nicht um die Familie. Viele Mütter bleiben mit den Kindern alleine und das ist sehr schwierig. Deshalb müssen auch die Mütter etwas suchen (Abfall sammeln, Tagelöhnerin oder Betteln) und dann bleiben die Kinder fast den ganzen Tag alleine zuhause. Die Großen passen auf die Kleinen auf und können nicht in die Schule gehen, sie haben keine saubere Kleidung und werden von der restlichen, „normalen“ Gesellschaft gemieden. Und der Teufelskreis beginnt von vorne...“

Genau diese Familien haben sich so sehr über die Kartoffeln gefreut! Ein Blick auf die Fotos zeigt die Armut, aber auch die Dankbarkeit der Beschenkten. Ein Teil der Kartoffeln wird für die Verköstigung der Kinder in der Suppenküche gebraucht und der Rest wurde an Familien in fünf Dörfern verteilt. „Solange du Kartoffeln hast, hungerst du nicht!“ Wir wissen, dass das rumänische Sprichwort Recht behält und freuen uns mit den Romafamilien vor Ort. Danke!
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